Interview mit Michaela - Initiatorin und Betreiberin von DeuSu (Deutsche Suchmaschine)

Interview mit Michaela - Initiatorin und Betreiberin von DeuSu (Deutsche Suchmaschine)

 

Hallo Michaela - schön, dass du diesem Interview zugestimmt hast. Nun zu unseren Fragen >>>

 

 

1) Was ist bitte dein erlernter Beruf bzw. deine IT-Anbindung?

 

Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu programmieren. Bereits während meiner Schulzeit habe ich angefangen mit dem Schreiben von Software Geld zu verdienen. Ich habe damals nach dem Abitur Informatik studiert, das Studium aber nicht abgeschlossen.

 

2) Wie kamst du auf die Idee eine Suchmaschine ins Leben zu rufen?

 

Oh, das geht jetzt weit in die Vergangenheit zurück. Meine erste Suchmaschine (Eule), habe ich nämlich bereits 1996 gestartet. Damals lag für mich in erster Linie die technische Herausforderung im Vordergrund. Ich wollte einfach sehen ob das mit den mir damals zur Verfügung stehenden Mitteln überhaupt möglich ist. Mein Internet-Provider dachte damals ich sei verrückt, weil ich einen Webcrawler über eine analoge Standleitung mit 33,6kbit/s Modems betreiben wollte. Aber es ging, auch wenn damals nur wenige Millionen Seiten im Suchindex waren. Das hat natürlich nur funktioniert weil Webseiten damals viel kleiner waren als heute, und es damals auch viel weniger Webseiten gab.

 

Nachdem ich Eule 1999 verkauft hatte, habe ich noch im selben Jahr Acoon gegründet. Das lief dann bis 2014. Sowohl Acoon als auch Eule waren werbefinanziert.

 

Mit der Zeit änderten sich aber die Rahmenbedingungen. Es war nun viel schwieriger für eine relativ kleine Suchmaschine Werbeplätze zu verkaufen. Da war das am Ende dann gewerbsmäßig einfach nicht mehr tragbar. Da ich aber auch nicht einfach aufgeben wollte, auch wenn damit kein Geld mehr zu verdienen war, habe ich dann einfach eine Kehrtwende vollzogen.

 

Voll und ganz orientiert auf die Wahrung der Privatsphäre der Nutzer, unabhängig von den Branchengrößen und spendenfinanziert, hat DeuSu jetzt immerhin schon mehr als drei Jahre überlebt. Ohne all die Leute, die für DeuSu spenden, wäre das nicht möglich.

 

3) Bist du selbst begeisterter Nutzer deiner Suchmaschine?

 

Ja und Nein. Ich kenne die Grenzen von DeuSu, und weiß daher wann es Sinn macht DeuSu zu benutzen, und wann ich von vornherein davon ausgehen muss, dass DeuSu nichts zu meiner Suche findet. Der begrenzte Datenbestand von DeuSu macht es halt schwer zu sehr speziellen – und selten vorkommenden - Themen passende Seiten zu finden.

 

Meistens suche ich zuerst auf DeuSu, und wenn ich da nicht fündig werden sollte, gibt es immer noch Alternativen die ich dann befragen kann.

 

Ich bin aber auch immer wieder selber überrascht wie gut die Ergebnisse von DeuSu sind. Sicherlich nicht in allen Fällen, da gebe ich mich keinen Illusionen hin, aber doch viel öfter als man denkt.

 

4) Welche Systeme/Programme nutzt du für die Administration von DeuSu?

 

Das ist vom Betriebssystem her ein Mischmasch aus Windows Server und Linux.

 

Der Crawler und der Webserver laufen im Moment noch auf Windows. Das ist das, womit ich Jahrzehnte an Erfahrung habe, und wo ich glaube gut genug darin zu sein, um dies sicher betreiben zu können.

 

Bei Linux bin ich Späteinsteiger; ich bin mit meinem Desktop-Rechner erst vor vier Jahren auf Linux umgestiegen. Im Serverbereich fehlt mir noch das Selbstvertrauen einen Linux-Server zu betreiben der im öffentlichen Internet erreichbar ist. Daher ist der einzige Linux-Server, der für DeuSu eingesetzt wird, nur in meinem internen Netzwerk zu erreichen. Auf dieser Maschine liegt im Moment circa ein Drittel des Suchindex. Hierbei setze ich auch Docker ein. Der Suchindex besteht aus insgesamt 35 Teilindizes und die Teile, die auf dem Linux-Server liegen, haben jeweils ihren eigenen Docker Container.

 

Ich will aber irgendwann DeuSu komplett auf Linux umstellen. Dafür möchte ich aber erst noch mehr Erfahrung in der Administration von Linux-Servern sammeln.

 

Der Webcrawler läuft auf einem angemieteten Root-Server und steht in einem Rechenzentrum. Die anderen beiden Server stehen bei mir zu Hause hinter dem Schreibtisch. Ich habe hier Internet über TV-Kabel mit 200mbit/s Downstream, 20mbit/s Upstream, und mit festen IP-Adressen. Das reicht völlig aus.

 

Bei der Software-Entwicklung setze ich auf die Programmiersprache Pascal. Dieser Sprache bin ich jetzt seit 30 Jahren treu, und sie ist immer noch ein hervorragendes Werkzeug um hochperformante Software zu schreiben, die – meiner Meinung nach – auch deutlich lesbarer ist, als wenn sie in irgendeiner C-ähnlichen Sprache geschrieben wäre.

 

Nachdem ich anfangs Delphi als Compiler benutzt habe, setze ich jetzt seit ein paar Jahren auf FreePascal. Dadurch ist es sehr einfach möglich denselben Code sowohl für Windows als auch für Linux zu kompilieren. Sogar Cross-Compiling auf einer Linux-Maschine für Windows als Zielsystem ist damit möglich, und wird von mir auch eifrig benutzt.

 

5) Von woher bekommt du deine Inspiration und Unterstützung?

 

Ich bin sicherlich nicht alleine darin die immer aufdringlichere Werbung im Internet zu verabscheuen. Und vor allem die damit einhergehende Ausspionierung der Nutzer. Da wird eine werbefreie Alternative wie DeuSu dringend gebraucht.

 

Ein anderer Grund ist, dass wir in Europa bei Suchmaschinen von den amerikanischen Branchengrößen voll abhängig sind. Google und Bing bestimmen hier das Bild. Und das schließt natürlich auch andere Suchmaschinen mit ein die ihre Suchergebnisse von Google oder Bing beziehen. Russland hat Yandex eine Alternative, und China mit Baidu. Aber Europa verlässt sich blind auf die Amerikaner. Das kann auf Dauer nicht gut sein. Selbst wenn DeuSu da nur ein klein wenig das Bewusstsein für weckt, wäre das schon ein großer Erfolg.

 

Die Tatsache, dass es Leute gibt, die bereit sind für die Existenz einer Suchmaschine wie DeuSu Geld zu spenden ist natürlich auch ein super Gefühl. Zu sehen, dass das was man macht, anderen Leuten Geld wert ist, gibt einem ganz klar die Bestätigung dafür auf dem richtigen Weg zu sein.

 

Ich kann aber auch nicht verleugnen, dass der Geek in mir einen großen Anteil an meiner Motivation hat. Aus ein paar doch sehr kleinen Servern so eine enorme Leistung raus zu holen, das hat was. Das ist etwas, das mich schon immer enorm gereizt hat. Auch weil es mir dabei hilft die Grenzen meiner eigenen Fähigkeiten zu erforschen.

 

6) Bedauerst du manchmal dir so viel Arbeit mit DeuSu zu machen, oder anders gefragt: bist du zufrieden wie deine Arbeit von Anderen genutzt wird?

 

Ich würde mir natürlich wünschen, dass DeuSu intensiver genutzt wird. Das größte Hindernis ist dabei die Tatsache dass kaum jemand DeuSu kennt.

 

Ich habe aufgrund der Datensparsamkeit von DeuSu zwar nur grob geschätzte Benutzerzahlen, aber ich kann doch sagen, dass bisher maximal etwa 500.000 Leute DeuSu benutzt haben. Und jeder der DeuSu mehrmals benutzt wird dabei auch mehrmals gezählt. Die tatsächliche Anzahl der Personen die DeuSu irgendwann mal zumindest ausprobiert haben, dürfte also noch viel kleiner sein.

 

Wenn man jetzt bedenkt, dass es allein in Deutschland circa 50 Millionen Internet-User gibt, dann sieht man leicht, dass weniger als 1% der deutschen Internet-User DeuSu ausprobiert haben. Die meisten weil sie von DeuSu einfach noch nie etwas gehört haben.

 

Auf der anderen Seite ist es aber toll zu sehen, dass es treue Benutzer gibt, auch welche die bereit sind dafür zu spenden. Ich denke gerade an der Spendenbereitschaft sieht man sehr deutlich, dass die User eine unabhängige und datensparsame Suchmaschine haben wollen.

 

7) Wie wichtig ist dir generell Open Source / Freie Software?

 

Mein Desktop-Computer, auf dem ich fast meine ganzen Computer Aktivitäten ausübe, läuft mit Linux. Ich setzte LibreOffice ein, benutze Firefox und Thunderbird, und programmiere mit FreePascal, die Software von DeuSu ist ebenfalls Open-Source. Ich denke diese Liste spricht für sich. :)

 

8) Wie ist deine Zukunftsprognose für DeuSu?

 

Das ist ganz schwer zu sagen. Das Entwicklung des Internets ist kaum vorherzusehen.

 

Es hängt einfach so viel von Umständen ab die außerhalb meiner Kontrolle liegen. Sollte es bei Google jemals ein großes Datenleck geben, dann würde das datensparsamen Alternativen natürlich großen Auftrieb geben.

 

Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen können hier einen großen Einfluß haben. Es ist noch schwer abzuschätzen wie sich die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung auswirken wird. Und auch ob das Safe-Harbor Abkommen mit den USA weiterbestehen bleibt oder vielleicht irgendwann beendet wird, würde hier großen Einfluß haben.

 

Man wird einfach abwarten müssen wie sich die Dinge entwickeln. Man braucht sich ja nur anzuschauen wie sich Deutschland in Punkto Kernkraft verändert hat. Vor Fukushima waren die Gegner der Kernkraft klar in der Minderheit. Und kurze Zeit später war das Ende der Kernkraft in Deutschland beschlossene Sache. Es ist durchaus vorstellbar dass die jetzt noch vielfach belächelten Befürworter von Datenschutz und Privatsphäre irgendwann die Oberhand gewinnen. Ein einziger spektakulärer Hack bei dem die Daten von hunderten Millionen Usern bekannt würden, könnte die Stimmung ganz schnell kippen lassen.

 

Einen ganz herzlichen Dank an Dich, Michaela für dieses inhaltsreiche Interview:)

 

andreas

für offene-quellen.org